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Tatort Führerstand – Maschen Rbf

mobifair war vor Ort in Maschen, dem größten Rangierbahnhof Europas und der zweitgrößte weltweit. Aber auch ein „Brennpunkt“ für prekäre Arbeit auf der Lok. Der richtige Platz um den Finger an den Puls zu legen. mobifair verteilte Info-Taschen, insbesondere an Lokführer von Personaldienstleistern. Man kann davon ausgehen, dass manche Lokführer nicht wissen wann ihre Dienstschicht endet, wenn man den einen oder anderen Lokführer schwerbepackt mit Rucksack und Rollkoffern über die Gleise laufen sieht. Da stellt sich schon die Frage: Wo kommt er her – wo fährt er hin – wie lange ist er unterwegs?

Da liegt einiges im Argen. Einige Lokführer erzählten am mobifair-Infostand ihre Erlebnisse und machten ihrem Ärger Luft. Dabei geht es nicht gegen Kollegen, dabei geht es gegen das System. Immer mehr Lokführer von sogenannten Personaldienstleistern sind unterwegs und werden teilweise zu Arbeitszeitverstößen gedrängt. Nicht jedem ist die „Mitschuld“ bewusst, die man trägt, wenn man gegen Gesetz und Regeln verstoßen hat und etwas passiert. Es geht um Erlebnisse die aufzeigen, dass die Ausbildung in manchen Bereichen nicht ausreichend ist. Es werden Verplombungen unbefugt gelöst oder es entstehen betriebliche Schwachstellen, die Abläufe gefährden. Nicht selten wird die zugeteilte Lok nicht gefunden oder man wird zu anderen Abfahrtsbahnhöfen geschickt, wodurch Verspätungen verursacht werden, die wiederum zu einer noch längeren Dienstschicht als vorgesehen führen.

All das ist auch ein Angriff auf das Berufsbild des Lokführers, bemerkt ein Kollege, der ehemals bei einem Personaldienstleister beschäftigt war. Er erzählte von seinen Einsätzen, die 22 Stunden dauerten oder Fahrten ohne ausreichende Strecken- und Ortskenntnisse. „Wenn hier nicht gegengesteuert wird sind wir bald dort wo jetzt die LKW-Fahrer sind“, bringt er abschließend zum Ausdruck. Ein anderer fügt hinzu, „die Marktöffnung hat nichts Gutes für unseren Berufsstand gebracht“.

Es werden dringend mehr Kontrollen benötigt, so das Resümee. „Der Lokführer der einen Zug fährt, muss grundsätzlich auch direkt in dem Unternehmen beschäftigt sein, welches für die Zugfahrt auch die Verantwortung trägt“, fügt Reiner Baale, Vorsitzender des Betriebsrats der DB Cargo in Hamburg, hinzu. „Wir klären sehr gerne alle Kolleginnen und Kollegen über den Arbeitsschutz und das Arbeitszeitgesetz auf. Unser Betriebsratsbüro ist für alle offen. Wir wollen mithelfen aus „Konkurrenten“ Kollegen“ zu machen.“

Mit der Sonderausgabe des Mitgliedermagazins mopinio hat mobifair diese Thematik erneut in den Mittelpunkt gestellt und informiert über die politische Aktion zum Thema „Faire Zugfahrten – ehrlich unterwegs“. Darin fordert mobifair eine einheitliche Ausbildung und mehr Kontrollen der Ruhe- und Arbeitszeiten. „Wer bescheißt – entgleist“, deshalb wird mobifair weiter einfordern, dass die schwarzen Schafe in der Branche vom Gleis verschwinden. Es ist nicht nur unfair, sondern vor allem auch nicht sicher.