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Lkw-Fahrer: Gezielter Sklavenhandel

Alltag mitten in Deutschland: Ausländische Lkw-Fahrer, die gezwungen sind über Monate nur in ihren Fahrzeugen zu leben, die auf Parkplätzen campieren müssen und keine Chance auf Verbesserung ihrer Situation haben. So ist eine Gruppe von philippinischen Fahrern seit Wochen in Nordrhein-Westfalen gestrandet. Gewerkschaften schlagen Alarm, die niederländische FNV hat Strafanzeigen wegen Menschenhandels, Ausbeutung der Arbeitskraft und Zwangsarbeit gestellt. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Arnsberg.

Die Fahrer selbst sehen sich nicht mehr in der Lage weiter zu arbeiten. Ein Betroffener sagte der Westfalenpost gegenüber, sie hätten Sorge, zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zu werden: „Mein 40-Tonner ist eine Todesmaschine“.

Fahraufträge erhalten sie derzeit ohnehin nicht mehr, der ursprüngliche Arbeitgeber hat sich erst mal zurückgezogen. Kein Wunder, denn das Beschäftigungskonstrukt ist abenteuerlich: Ein dänisches Unternehmen mit so genannter „Niederlassung“ in Polen hat die Asiaten angeheuert und in Westeuropa eingesetzt. Angeworben wurden die Fahrer in ihrer Heimat, in Polen gab es Verträge und Lkw-Schlüssel, dann konnte es losgehen. Auftraggeber war nach Angaben der DGB-Initiative „Faire Mobilität“ unter anderem eine Spedition in Ense – auf deren Betriebsgelände die Fahrer schließlich gestrandet sind.

Vertragsmodell ist das derzeit  vor allem bei osteuropäischen Speditionen beliebte „Spesen“-System, nachdem die Fahrer für einen erschreckend niedrigen Pauschallohn eingesetzt werden. Mehr Geld gibt es nur für ständiges Unterwegssein als so genannte Spesen oder Tagessätze, der Arbeitgeber spart Steuern und Sozialabgaben. Für die Beschäftigten heißt das: Wer nicht fährt, verdient nichts. Zum System gehört ebenfalls die vom Arbeitgeber geforderte regelmäßige Überschreitung von Lenk- und Ruhezeiten sowie das Leben im Lkw. Andere Übernachtungen allerdings könnten die Fahrer sich ohnehin nicht leisten.

Laut DBG liegt die Vergütung für die philippinischen Beschäftigten bei 500 Euro monatlich mit „Spesen“ bei 1000 Euro. Damit ist der Betrag noch niedriger als die branchenüblichen Ausbeuterlöhne für osteuropäische Fahrer. Es ist bekannt, dass Speditionen mit solchen „Geschäftsmodellen“ lieber Bußgelder riskieren als ordentlich zu zahlen. Mangels Kontrollen kommen sie so immer noch billiger weg. Nach Gewerkschaftsangaben campieren weitere Filipinos ohne Auftrag auf Autobahnrastplätzen oder in Industriegebieten im Bundesgebiet.

„Dieses Ausbeutersystem ist mittlerweile so durchorganisiert, dass man schon von gezieltem Sklavenhandel sprechen kann“, meint Helmut Diener von mobifair: „Da werden weltweit Menschen angeworben um für Hungerlöhne in Westeuropa zu schuften. Eine Schande.“  Er wirft den Behörden in dieser Situation vor, zu spät und nicht konsequent genug zu reagieren. „Wenn es für betrügerische Firmen bequemer und günstiger ist, Strafen zu zahlen als Menschen gerecht zu behandeln, läuft etwas gewaltig schief“, so Diener. Er verlangt mehr Kontrollen und schmerzhafte Sanktionen bei Verstößen.