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EVG-Sicherheitskonferenz

Wir wollen unseren Job machen ohne komisches Bauchgefühl“, „Sicherheit ist keine Komfortforderung, sondern absolute Notwendigkeit“: Zwei Aussagen von Kolleginnen bringen auf den Punkt, worum es bei der EVG-Sicherheitskonferenz am 11. März in Essen ging. Nämlich darum, dass es nicht bei den wichtigen, aber angesichts der Lage eher kleinen Fortschritten der letzten Wochen bleiben darf, sondern es noch viel zu tun gibt. Im Bereich des Schienenpersonennah- und Fernverkehrs, an Bahnhöfen, Fahrkartenschaltern und im Busverkehr, in Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland.

Positive Signale kamen vom Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Oliver Krischer. Dieser kündigte an, den Einsatz der sog. Sicherheitsteams, die vom Land finanziert werden, auszuweiten, die Videoüberwachung im Bereich kleiner und mittlerer Bahnhöfe auszubauen, die sog. Live-Aufschaltung bei Videokameras in den Fahrzeugen zu ermöglichen und alle Kundenbetreuer*innen im Nahverkehr mit Bodycams auszustatten. Außerdem müsse die Doppelbesetzung der Züge mit Zugbegleitpersonal der Normalfall werden – die neue Aufgabenträgerstruktur mit „Schiene.NRW“ über den drei kommunalen Aufgabenträgern soll dabei für eine Vereinheitlichung sorgen. Bisher sind die Ausschreibungsvorgaben zu den Zugbegleitquoten sehr unterschiedlich, wie mobifair-Auswertungen bestätigen. Als kurzfristige Kompromisslösung sagte Krischer zu, dass die Aufgabenträger und Eisenbahnverkehrsunternehmen jetzt alle Optionen nutzen werden, um das Zugbegleitpersonal in Doppelbesetzung auf die Züge zu bringen, auch wenn dafür andere Züge ohne Zugbegleitpersonal fahren, ähnlich wie in Rheinland-Pfalz. Dazu sei es notwendig, bestimmte Züge zu priorisieren. Für diese Themen werde sich Krischer auch bei der Verkehrsministerkonferenz am 25./ 26. März in Lindau einsetzen.

Den dringenden Handlungsbedarf unterstreichen die Ergebnisse der EVG-Sicherheitsumfrage (mehr dazu hier), die an diesem Tag vorgestellt wurden. Demnach hat bereits etwa die Hälfte aller rund 4.000 Befragten mit Kundenkontakt schon einmal einen körperlichen Übergriff erlebt, ca. 85% einen verbalen. Im Vergleich zur Umfrage von 2024 hat sich das Sicherheitsempfinden weiter verschlechtert. So erwägt mittlerweile rund ein Drittel der Befragten einen Berufswechsel. Für die Branche wäre dies eine Katastrophe.

Als notwendige Maßnahmen werden v.a. die Doppelbesetzung mit Zugbegleiter*innen, mehr Sicherheitspersonal und Polizeipräsenz und der freiwillige Einsatz von Bodycams mit Tonaufnahme genannt. Doch auch Notrufoptionen, die Bekanntheit von Meldewegen, geschützte Bereiche im Fahrzeug sowie Präventions- und Nachsorgemaßnahmen müssten ausgebaut werden. Im Vergleich zur Schiene ist die Lage im Busbereich an vielen Stellen noch problematischer, u.a. weil Busfahrer*innen grundsätzlich alleine unterwegs sind, oftmals weit weg von Polizei oder Sicherheitspersonal.

Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen von DB Regio, EVG, Gewerkschaft der Polizei (GdP) und des Gesamtbetriebsrats von DB Sicherheit und DB Regio wurde deutlich, dass es noch weitere Baustellen gibt: So etwa die Sicherheitslage bei den Kolleg*innen im Fahrkartenvertrieb oder die praktische Durchsetzung von Hausverboten auf den Zügen. Die Gewerkschaftsvertreter machten dabei mit Blick auf die Arbeitgeber, aber auch die Aufgabenträger und Politik, deutlich, dass ein oft gefordertes Gesamtkonzept für die Sicherheit wichtig und richtig sei, aber dies nicht davon abhalten dürfe, dass jeder schon heute mögliche Maßnahmen in seinem Bereich umsetzt. Das gilt auch für die nicht-bundeseigenen Unternehmen, von denen auf Arbeitgeberseite niemand bei der Konferenz vertreten war.

Neithard von Böhlen (Landesverbandsvorsitzender der EVG NRW).

Neithard von Böhlen (Landesverbandsvorsitzender der EVG NRW).

Oliver Krischer (Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen).

Oliver Krischer (Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen).

Dr. Britta Busse (Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen)

Nicole Berlin (Vorständin DB Regio Schiene), Neithard von Böhlen (Landesverbandsvorsitzender der EVG NRW), Markus Robert (stellv. Vorsitzender GdP NRW), Gerd Galdirs (GBR-Vorsitzender DB Sicherheit), Jürgen Lenz (stellv. Vorsitzender GBR DB Regio), Anke Unger (stellv. Vorsitzende DGB NRW).