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Connecting Europe – Hochgeschwindigkeit schnell und bezahlbar – Fair oder ruinös?

Spätestens seit Bilder des italienischen Italo Hochgeschwindigkeitszuges in der deutschen Presse landeten und das Unternehmen Italo S.p.A. sein Interesse bekundete, Trassen für Hochgeschwindigkeitsverkehre in Deutschland anzumieten, um der DB AG in diesem profitablen Geschäft Konkurrenz zu machen, dürfte endlich allen klar sein, dass wir in Deutschland nicht auf einer Insel leben. Nachdem in Italien, Frankreich und Spanien, also in den flächenmäßig großen Ländern Westeuropas bereits der Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene in vollem Gange ist, drängen nun auch zusätzliche Unternehmen auf die Deutsche Schiene.

Dabei geht es aber nicht um Kooperationsverkehre wie z.B. mit benachbarten Staatsbahnen oder dem Eurostar, sondern um offenen Wettbewerb.

Bereits Anfang des vergangenen Jahres haben wir zu der Situation im Fernverkehr und Hochgeschwindigkeitsverkehr eine Ausgabe der mopinio gewidmet. Dort haben wir die einzelnen Länder unter die Lupe genommen.

Italo will auf die deutsche Schiene und kommt gerade in einer Zeit, in der DB Fernverkehr selbst nicht in der besten Verfassung ist. Das Geschäft ist defizitär – wen wundert es, durch Verspätungen, Zugausfälle und Fehlentscheidungen. Für die schlechte Infrastruktur kann man DB Fernverkehr nicht verantwortlich machen aber die Qualität ist deutlich gesunken. Ein Ausdünnen von Verkehren oder Zugausfälle, weniger Personal in den Zügen und deshalb auch weniger Service und Kontrollen senken die Akzeptanz der Reisenden und die Zufriedenheit der Beschäftigten dramatisch.

Wer elf statt sechs Stunden von Berlin nach Köln fährt, weil Streckenabschnitte gesperrt sind, der Zug dann noch wegen Defekten geräumt werden muss und der bereitgestellte Anschlusszug wegen Verspätungen vorzeitig endet fühlt sich von der „Bahn“ verlassen und wird gerne auf die Konkurrenz umsteigen – wenn es sie dann gibt.

Flixtrain ist derzeit nicht als solche Konkurrenz zu betrachten, denn die alten Fahrzeuge mit zu engen Sitzreihen und Null Service taugen nichts im Vergleich zum komfortablen ICE. Wer billig reisen will, der ist dort richtig und kann sogar noch mit dem niederländischen Unternehmen GoVolta fahren. Die haben noch ältere Waggons und Toilettenanlagen mit Fallrohren, die somit aus wichtigen Gründen in den Bahnhöfen nicht genutzt werden dürfen.

Doch die schicken Italozüge würden sicherlich vielen Reisenden gefallen. Mit denen will man insgesamt drei Komfortklassen anbieten, die oberhalb der 1. Klasse noch ein Premiumsegment beinhalten sollen.

Italo plant den Markteinstieg in Deutschland 2028 mit 30 Zügen und einer insgesamt Investition von rund 3,6 Mrd. Euro. Doch derzeit gibt es Streit um langfristige Trassenslots mit der Deutschen Bahn, doch auf lange Sicht kann ein Markteintritt kaum verhindert werden, denn der Zugang zum Schienennetz ist bereits seit 1994 grundsätzlich für alle zugelassenen Eisenbahnen möglich.

Interessant ist ein solch großer Markteintritt allerdings nur dann, wenn man zur richtigen Zeit, die richtigen Strecken bedienen kann, und die sind derzeit von der DB Fernverkehr belegt. Doch schaut man sich die Pläne der EU Kommission an und schaut sich an, was in der Vergangenheit bereits alles überlegt wurde, um den Wettbewerb anzukurbeln, dann braucht es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass letztlich die Italo Züge ihre Trassenslots bekommen werden.

Macht dies jedoch Schule, dann bleiben über kurz oder lang die weniger profitablen, oder unrentablen Linien auf der Strecke und gerade kleine Städte würden noch mehr vom Fernverkehr abgehängt. Im Ergebnis fahren dann vielleicht mehr Züge auf den sogenannten Rennstrecken, wenn die Trasse es hergibt, aber in der Fläche geht das Licht aus.

Aus Sicht von mobifair wäre das ein Szenario, das niemandem nutzt. Wir werden gespannt und aufmerksam die weiteren Entwicklungen beobachten und weiter berichten.

Hier geht es zur mopinio 01/2025: Schienenpersonenfernverkehr – Wettbewerb um jeden Preis?

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