In dieser Woche haben sich rund 900 Teilnehmer*innen aus der Nahverkehrsbranche in Koblenz zum 16. Deutschen Nahverkehrstag getroffen und sich über eine sehr große Bandbreite an aktuellen Themen ausgetauscht. Rund um das Leitthema „30 Jahre Regionalisierung – Nah gedacht, weit gekommen?“ gab es Vorträge, Diskussionen und Workshops u.a. zu Finanzierung des ÖPNV und SPNV, Infrastruktur, Marktentwicklungen, Fahrzeugen, Digitalisierung, Fahrkartenvertrieb, Sicherheit und Personal. mobifair war mit zwei Vorträgen aktiv beteiligt.
Leider wurde im Programm allgemein eine wichtige Perspektive kaum berücksichtigt: Die der Beschäftigten. Das zeigte sich ganz deutlich bei den Podiumsdiskussionen, wo sich Vertreter*innen von Aufgabenträgern, Unternehmen, Verbänden, Behörden und Politik im Gorßen und Ganzen ziemlich einig waren, dass Regionalisierung und Ausschreibungswettbewerb der letzten 30 Jahre eine Erfolgsgeschichte gewesen sind, auch wenn sie jetzt in eine neue Phase eintreten müssten, um der veränderten Situation Rechnung zu tragen.
Nur vereinzelt gab es verhalten (selbst-) kritische Einschätzungen zu hören, z.B. dass die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Aufgabenträger zur Zersplitterung zwischen den Ländern und Regionen geführt hat, was sich u.a. bei den vielen verschiedenen, untereinander nicht kompatiblen Fahrzeugen zeigt, aber auch bei anderen Vorgaben im Vergabeverfahren. Oder dass frühere Angebote teilweise zu knapp kalkuliert waren.
Dass aus Sicht von mobifair der Wettbewerb zuletzt nahezu zum Erliegen gekommen ist, wurde u.a. damit gekontert, dass dieser doch immer noch funktioniere, wenn es durchschnittlich 1,3 Bieter pro Ausschreibung (und damit oft immer noch mehr als einen) gibt. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass sich die Unternehmen wieder mehr Handlungsspielräume, z.B. bei der Instandhaltung wünschen.
Als die größten Herausforderungen wurden v.a. die Finanzierung der Verkehre nach dem Urteil zur Trassenpreisbremse und der Zustand der Infrastruktur identifiziert, aber auch die notwendige Schaffung von Anreizen für unternehmerisches Handeln. Wie sich der Wettbewerb auf die Beschäftigten ausgewirkt hat – nämlich in vielen Fällen negativ – , wurde so gut wie nicht thematisiert.
Für ein kleines Gegengewicht konnte mobifair mit zwei Vorträgen sorgen: „Wie kann der Beschäftigtenübergang beim Betreiberwechsel gelingen – wer muss wann mit wem reden?“ (Dirk Schlömer, mobifair-Vorstand) und „Arbeitsschutz im Nahverkehr – Gewalt gegen Beschäftigte“ (Christian Gebhardt, Abteilungsleiter bei mobifair).
Die beiden Präsentationen können hier heruntergeladen werden:
- Wie kann der Beschäftigtenübergang beim Betreiberwechsel gelingen – wer muss wann mit wem reden?
- Arbeitsschutz im Nahverkehr – Gewalt gegen Beschäftigte





Dirk Schlömer

Christian Gebhardt
