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Wer sitzt vorne?

Hallo, mein Name ist Rolf Nördershäuser,

ich bin seit 1985 Lokführer bei der DB Cargo AG in Oberhausen. Meine Arbeit macht mir viel Freude. Allerdings nur dann, wenn ich auch meine Arbeit machen darf. Da habe ich immer mehr meine Zweifel, denn auf unseren Zügen sind Lokführer unterwegs, die gar nicht zu DB Cargo gehören. Da trifft man schon mal auf Typen, von denen man nicht so richtig weiß, ob die eine gute und ausreichende Ausbildung genossen haben. Vor kurzem stellte ich in Oberhausen West eine Lok ab, während neben mir eine weitere Lok zum Stehen kam. Ein junger Mann stieg ab und rannte ohne nach links und rechts zu schauen aufgeregt über die Gleise. Ich war neugierig und ging hinterher und fragte ihn was er hier mache und für welches Unternehmen er unterwegs sei. In gebrochenem Deutsch nannte er mir immer wieder den Firmennamen, konnte mir aber nicht so richtig sagen wohin oder mit welcher Zugnummer seine Reise weitergehen sollte. Auf dem Weg zum Melderaum traf ich auf zwei weitere Lokführer eines Fremddienstleisters, gut bepackt mit Koffern. Sie sind meistens in zehn-Tageschichten im Einsatz. Quer durch Deutschland und sicher nicht immer nach den Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes. Der Eine übernahm einen Zug nach Lübeck Skandinavienkai und der Andere nach Hamburg Hohe Schaar. Sicher auch Züge von uns der DB Cargo AG, die andere für uns fahren. Muss das denn sein? Sind wir so schlecht und teuer? Kann ich gar nicht glauben, denn wir sind gut ausgebildet und immer für unser Unternehmen da. Allerdings fahren wir nicht zwölf Stunden und länger ohne Pausen durch die Gegend. Wir verstoßen nämlich nicht gegen Gesetze und wir halten uns an die Regeln. Erst kürzlich hat mobifair wieder ein solches Vergehen eines Fremddienstleisters angezeigt. Das kommt immer „gut“ an beim EBA, die nach der Einschätzung von mobifair gar nicht erfreut sind, wenn sie solche Fälle auf dem Tisch bekommen. Ja, wer viele Unternehmen zulässt, der muss halt auch viele Unternehmen kontrollieren. Wie mobifair recherchiert hat, gibt es bereits über 130 solcher Firmen, die Lokführer bereitstellen. Wir begegnen diesen Firmen jeden Tag und fragen uns als Lokführer bei DB Cargo immer wieder warum man unsere Züge mit fremden Personalen besetzt. Wir hören täglich wie schlecht es dem Unternehmen geht, Marktanteile gehen verloren und einige Strecken sind unrentabel. Da frage ich mich schon, warum man mehr und vor allem anderes teures Personal braucht, wenn die Aufträge weniger werden. Wir sind doch da.

Nun, ihr seht mich auf dem Foto, unterwegs auf Fahrgastfahrt und wie ihr seht hatte ich den Zug nahezu für mich alleine. Es ist eine schwierige Zeit, die uns diese Corona-Krise beschert. Und so ziehe ich mein Resümee: Wir fahren in leeren Zügen zu unseren Zügen, die andere fahren. Vielleicht geht es mit dem Taxi gleich wieder zurück. Das muss man nicht verstehen, ist aber irgendwie so. Traurig.

Bleibt gesund.
Euer Rolf