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Sparen auf Kosten der Ausbildung löst keine Probleme

Bei den Lokführern rumort es – gleich ob DB oder nicht-bundeseigene Eisenbahnunternehmen. Züge fallen aus, Überstunden wachsen an, Fahrzeiten auf den Loks erhöhen sich und immer öfter finden sich Lokführer mit ungenügender Qualifikation. Es fehlt an allen Ecken und Enden geeignetes Personal.

Ursache, so mobifair-Vorstand Helmut Diener, ist eine jahrelang verfehlte Personalpolitik, die aus Gewinngier darauf verzichtete, darüber nachzudenken, dass auch Lokführer älter werden und es auf dem Arbeitsmarkt an Nachwuchs mangelt. Fundierte Ausbildungen gab es wenig – das kostet schließlich Geld und mindert die Erträge.
„Nun werden schnelle Lösungen für ein selbst verursachtes Dilemma gesucht. Und natürlich auch hier: Es soll möglichst billig sein“, so Diener.  So werde laut darüber nachgedacht, dass man an den Eingangsvoraussetzungen für die künftigen Lokführer sparen kann. Mittlerweile ist es auch in anderen Bereichen eine bewährte Methode: Wer die Bedingungen absenkt, kriegt auch problematische Kandidaten leichter durch die Prüfung.
Immer mehr Ausbildungsschulen werden durch das Eisenbahn-Bundesamt zugelassen. Schulen, die vor allem mit dem Geschäftsmodell „Staatliche Förderung“ arbeiten. Rund 22.000 Euro Zuschuss zahlt die Bundesagentur für Arbeit für die Ausbildung eines Arbeitsuchenden. Ob die kirchliche Einrichtung Kolping, der TÜV oder viele kleine private Einrichtungen – in diesem lukrativen Ausbildungswettbewerb mischen viele gerne mit. Doch es wird immer schwerer Kandidaten zu finden, vor allem auch solche, die den notwendigen Eignungstest bestehen. Nach Ansicht von mobifair wird hier einfach nachgeholfen, indem bestimmte Teile der Eignungsprüfung bequemerweise wegfallen oder vereinfacht werden. Diese Prüfungsergebnis-Kosmetik wird nun auch bei der DB angewendet, bei der es bislang noch galt, die schwierigste Eingangstür zu einer Ausbildung zu öffnen.
Wehret den Anfängen meint mobifair und bemängelt schon seit langem, dass die Qualifizierung der Lokführer durch „lockere“ Ausbildungen stark leidet. Es gibt weder einen einheitlichen Lehrplan noch eine zentrale Prüfungsdatenbank. Die Prüfung findet letztendlich nicht durch eine öffentliche Institution, wie zum Beispiel die IHK statt sondern durch eine Vielzahl auch vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassenen Prüfern, die überwiegend aus den Eisenbahnverkehrsunternehmen selbst kommen. „Ein unhaltbarer Zustand“, meint Helmut Diener, Vorstand von mobifair und fordert eine einheitliche Zertifizierung der Lokführerausbildung. Es ist ungenügend, hier auf die Regeln einer europäischen Triebfahrzeugführerscheinverordnung zu verweisen. Diener: „Das ist nur ein Rahmen, der national angepasst werden muss, um qualifizierte Lokführer für einen sicheren Zugverkehr auszubilden.“
Da es immer weniger Lokführer gibt, heißt es für alle anderen: Mehr arbeiten. Anders geht es nicht, denn rund 39.000 Züge am Tag müssen besetzt werden. Das heißt auch, dass sich die Beschäftigungsbedingungen verschlechtern und die Belastungen höher werden. Die Folge sind Unzufriedenheit mit dem Beruf und ein höherer Krankenstand. Daneben gibt es noch die Lokführer, die kündigen, weil sie diesen Beruf unter anderen Voraussetzungen gewählt haben oder diejenigen, die eigentlich gar nicht Lokführer werden wollten, aber von der Bundesagentur für Arbeit „dahingedrängt“ wurden.
Lokführer finden sich nicht an jeder Ecke, die Qualität der Ausbildung muss stimmen und der künftigen Verantwortung angemessen sein. So sind sicher ordentliche Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung der Schlüssel zum Erfolg. Dienstpläne, die Vereinbarkeit mit Familie und Beruf sicher stellen und Arbeitszeiten, die angemessene Pausen und Ruhezeiten beinhalten. Lokführer dürfen nicht länger eine „Handelsware“ sein, wie sie bei Personaldienstleistern den Eisenbahnverkehrsunternehmen angeboten werden. Wer einen Zug fährt muss auch direkt dort beschäftigt sein, wo die Verantwortung für die Zugfahrt liegt, fordert mobifair. Die Willkür eines solchen Lokführerverleihs darf nicht länger Platz im Eisenbahnbetrieb finden. Denn allzu oft gibt es bei den Personalvermarktern keine Tarifvereinbarungen mit Gewerkschaften und schon gar keine Betriebsräte, die Arbeitszeiten und Beschäftigungsbedingungen überwachen. Dort entstehen die Probleme.