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Fördergelder für falsche Lokführer

Fördergelder für falsche Lokführer
Arbeitsmarktexperte wirft Bundesarbeitsagentur Versagen vor

von Lutz Ackermann, Christian Esser und Astrid Randerath

Nach Recherchen von Frontal21 hat das private Aus- und Weiterbildungsunternehmen „Easy2learn“ Lokführer über Jahre nur zum Schein ausgebildet und dafür Fördergelder von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. „Es geht um mehrere Millionen Euro, die hier eingesackt wurden“, erklärt Helmut Diener, Geschäftsführer des arbeitnehmernahen Vereins „mobifair“.

Ständige Schichtwechsel, fehlerhafte Technik, zu schlechte Betreuung: Viele Lokführer der Deutschen Bahn fühlen sich zunehmend überlastet. Das belegt ein Gutachten der Universität Stuttgart. „Easy2learn“ hat Niederlassungen in Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen und bietet unter anderem für Arbeitslose eine achtmonatige Ausbildung zum Lokführer an. Bei erfolgreichem Abschluss wurde die Übernahme in die „Europa-Bahn-AG Limited“ garantiert. Die Maßnahme wird über so genannte Ausbildungsgutscheine von der Arbeitsagentur gefördert. Laut „mobifair“ hat „Easy2learn“ pro Auszubildenden zwischen 28.000 und 35.000 Euro kassiert. Eine Lokführerausbildung bei einer Eisenbahnfachschule des VDEF (Verband Deutscher Eisenbahnfachschulen) kostet dagegen nur etwa 10.000 Euro.

Nach Recherchen von Frontal21 hat kaum einer der Auszubildenden die Akademie „Easy2learn“ als geprüfter Lokführer verlassen und ist auch nicht von der „Europa-Bahn-AG Limited“ übernommen worden. Die Durchfallquote beträgt bei „Easy2learn“ etwa 90 Prozent. Laut „mobifair“ fordere das Unternehmen für Nachprüfungen dann auch noch eine Gebühr von etwa 5.000 Euro von den Prüflingen. In mehreren Fällen sei den Prüflingen nahegelegt worden, einen Kredit bei „Easy2learn“ aufzunehmen und später abzuzahlen. „Wir glauben nicht, dass es überhaupt das Ziel ist, eine anständige Ausbildung zu geben“, so Diener gegenüber Frontal21, „Easy2learn“ wolle sich offenbar mit Geldern der Bundesagentur für Arbeit bereichern. Gegenüber Frontal21 sprechen mehrere Zeugen von erheblichen Qualitätsmängeln der Ausbildung bei „Easy2learn“. So halte „Easy2learn“ notwendige Standards und Vorschriften für die Ausbildung von Lokführern nicht ein. Die praktische Ausbildung etwa sei auf Loks der Deutschen Bahn AG und anderer Privatbahnen erfolgt – zum Teil heimlich und widerrechtlich. Dafür hätten die Lokführer 30 Euro pro Fahrt erhalten, berichten die Zeugen.
Sie gaben außerdem zu Protokoll, dass sie zu Beginn der Ausbildung weder die erforderliche arbeitsmedizinische Untersuchung noch einen psychologischen Eignungstest absolviert hätten. „mobifair“ berichtet von Fällen, dass Teilnehmern trotz Alkohol- und Drogenkonsums eine medizinische Unbedenklichkeit bescheinigt wurde. Bernhard Koesters, Gründer von „Easy2learn“, weist die Vorwürfe zurück: „Wir haben die beste und umfangreichste Lokführer-Ausbildung in Deutschland“, so Koester gegenüber Frontal21. Von illegalen Ausbildungsfahrten seiner Auszubildenden habe er keine Kenntnis.
Der Verein „mobifair“ fordert unterdessen vom Eisenbahnbundesamt und der Bundesagentur für Arbeit, unverzüglich gegen den Bildungsträger „Easy2learn“ vorzugehen: „Hier geht’s um Personenverkehr“, so Diener gegenüber Frontal21. „Man spielt hier mit der Sicherheit und mit dem Leben von Menschen.“ Auch der Arbeitsmarktexperte Professor Stefan Sell von der Uni Koblenz kritisiert gegenüber Frontal21 die Bundesagentur für Arbeit, wirft ihr mangelnde Kontrolle vor: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum hier nicht schon längst gehandelt worden ist.“