Es war ein wichtiges Signal, das die EVG-Gewerkschafter am Mittwochabend im Vorfeld der Konferenz der Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) den Konferenzteilnehmern mit einer Kundgebung sendeten. Hintergrund war der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan Çalar vor wenigen Wochen.
mobifair hat in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Hemmschwellen der Gewalt gegen die Kolleginnen und Kollegen in den Zügen immer weiter sinkt und Übergriffe immer brutaler werden. „Bei neuen Nahverkehrsplänen und Ausschreibungen der Aufgabenträger bemängeln wir immer wieder, dass trotz der vorliegenden Fakten nicht die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden, um die Kolleginnen und Kollegen besser zu schützen.“ bemängelt mobifair-Vorstand Dirk Schlömer. So gibt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr lediglich EINEN Zugbeleiter ab 19 Uhr für Sicherheit und Service in den Zügen vor. „Die Verantwortlichen in diesem Zweckverband sollen bitte mal selbst in den Abend- und Nachtstunden alleine in den Zügen Dienst tun, um zu spüren, was sie den Beschäftigten aufbürden“, so Schlömer.
Kristian Loroch, stellv. Vorsitzender der EVG, machte seinem Ärger im Rahmen der Kundgebung Luft: „Sicherheit ist nicht verhandelbar“, erklärte er und forderte: „Wir erwarten mehr qualifiziertes Sicherheitspersonal, Bodycams und Doppelbesetzung im SPNV.“ Er sieht nun richtigerweise die Aufgabenträger für den SPNV in der Pflicht.
Dies unterstrichen auch Evelyn Trabert, eine Zugchefin im Fernverkehr und EVG-Betriebsratsmitglied und Thomas Pfeifer, EVG-Fachgruppenleiter für die NE-Bahnen.
Peter Panitz, Präsident des Bundesverbandes Schienennahverkehr (BSN) erklärte zum Auftakt der Konferenz am folgenden Tag, dass der Ton gegenüber den Beschäftigten und anderen Fahrgästen in der Tat rauer geworden sei. Die Gewerkschaft würde zu Recht darauf hinweisen, dass dieses Thema angepackt werden müsse. Panitz wies zudem darauf hin, dass in den vergangenen Jahren die Begleitquoten sehr niedrig gewesen sei und man schon nachgebessert habe.
Dirk Schlömer sieht in der Nennung der Thematik zum Auftakt der Tagung ein leicht positives Signal: „Natürlich war es gut und richtig, das Thema zu benennen und auch auf die Aktion am Vorabend hinzuweisen“. Doch fügt er hinzu: „Bislang ist allerdings viel zu wenig geschehen und die Verantwortung aufgrund fehlender Mittel immer wieder hin- und her geschoben worden. Leichte Erhöhungen der Zugbegleitquote bringen überhaupt nichts. Von einer zufriedenstellenden Lösung sind wir noch meilenweit entfernt“, so Schlömer.
Wie es besser geht, zeigt Rheinland-Pfalz. Das Bundesland hat alle Beteiligten zu einem Runden Tisch zusammengerufen und Maßnahmen beschlossen, die umgehend für Verbesserungen sorgen. So kann von den bestellten Quoten der Zugbegleitung in Zügen abgewichen werden, um Doppelbesetzungen zu ermöglichen. Dann ist zwar nicht mehr jeder Zug begleitet, das Personal ist jedoch sofort besser geschützt. Zudem sollen mit zusätzlichen Landesmitteln Bodycams die Sicherheit präventiv erhöhen und zusätzliche Sicherheitskräfte in die Züge gebracht werden. Für letzteres fordert Rheinland-Pfalz zur Finanzierung aber auch eine Beteiligung des Bundes. „Ein solch schnelles und effektives Maßnahmenpaket wie in Rheinland-Pfalz brauchen wir von allen Bundesländern“, fordert der mobifair-Vorstand. „Eine Verlagerung von Verkehren in Bus und Bahn funktioniert nur, wenn die Sicherheit der Reisenden und des Personals gewährleistet ist.“






