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Fliegen auf eigenes Risiko

Um Personalkosten zu sparen, gehen Unternehmen in vielen Fällen fragwürdige Wege. Gegen die Billig-Airline Ryanair ermitteln nun Behörden wegen Verdachts auf Sozialversicherungsbetrug. Angeblich sollen Piloten als „selbstständige Unternehmer“ von der Fluglinie eingesetzt werden.

Wie WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung berichten, sind viele Piloten der Fluggesellschaft nicht als Angestellte, sondern auf eigenes unternehmerisches Risiko als so genannte Selbstständige unterwegs. Von „zweifelhaften Vertragskonstruktionen“ ist die Rede. Etliche der rund 3000 Ryanair-Piloten sollen von Personaldienstleistern vermittelt werden. Sie sind dem Namen nach Leiter eines eigenen Unternehmens und fliegen auf eigene Rechnung für die Airline. Bezahlt werden nur die tatsächlichen Flugstunden, wer krank wird, verdient auch nichts. Einfache Schlussfolgerung: Lieber krank fliegen, als ohne Einkommen dazu stehen. Unternehmensprofite gehen wieder einmal vor Sicherheit.

Bislang hat sich Ryanair auf den Standpunkt zurückgezogen, dass für das Unternehmen britisches Recht gelte. Deutsche Behörden sehen das mittlerweile anders. Der WDR zitiert die Staatsanwaltschaft Koblenz mit der Ansicht, dass zumindest für Piloten, die an deutschen Standorten stationiert sind, das deutsche Sozialversicherungsrecht zur Anwendung kommen muss.
Für Ryanair lohnt hat sich diese Firmenpolitik bisher kräftig ausgezahlt. Gerade hat das Unternehmen verkündet, seinen Gewinn im Vergleich zum vorigen Geschäftsjahr um fast zwei Drittel gesteigert zu haben. Für das laufende Jahr erwarte man ein weiteres Plus.

Solche erfolgreichen Modelle finden selbstverständlich Nachahmer. Nach einer Studie der Universität Gent ist Ryanair kein Einzelfall. Es gebe einen Trend zu „atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ auch bei anderen europäischen Billigfluglinien, stellt die Untersuchung fest.