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Kein Grund zum Feiern: Zehn Jahre Hartz-Konzept

15. August 2012 – Eine umfassende Arbeitsmarktreform hat vor zehn Jahren die Hartz-Kommission vorgeschlagen. Tatsache ist: Geschaffen wurde ein immer weiter ausufernder Billiglohnsektor, Leiharbeitsplätze en gros, befristete Jobs in massiver Anzahl und ein immenses Risiko, in Altersarmut abzusinken.

Trotzdem klopfen sich beteiligte Politiker nach wie vor auf die Schulter und sprechen von einem durch das Hartz-Konzept geschaffenen „Job-Wunder“. Dass diese „Markt-Reform“ ausschließlich auf Kosten der Beschäftigten und Beitragszahler durchgedrückt wurde, wird wohlweislich nicht erwähnt. Demgegenüber haben Unternehmen durch das System vor allem mit Leiharbeit und Minijobs richtig gut verdient. Die Sozialkassen haben weniger profitiert – im Gegenteil, gerade Niedriglöhner müssen nach der Arbeit zum Amt, um ihre Einkommen wenigstens so weit aufzustocken, dass sie davon leben können.

Gewerkschaften und Sozialverbände haben von Beginn der Hartz-Planungen an vor Einschnitten und Sozialabbau gewarnt und konnten bei verschiedenen Maßnahmen erreichen, dass die Politik wieder zurückruderte. Aber Fakt ist: Das so genannte Job-Wunder ist auf die Zunahme prekärer Beschäftigung zurückzuführen. Der Niedriglohnbereich beläuft sich nach Angaben des DGB mittlerweile auf 22 Prozent. Jeder zweite neue Job ist befristet. Das Risiko, in Altersarmut abzurutschen, steigt weiter an.

Geradezu zynisch mutet es da an, wenn ein Arbeitsmarktexperte laut „Welt online“ da resümiert, dass die Hartz-Reformen zu einer Verhaltensänderung geführt hätten. Die Angst vor dem sozialen Absturz bewirke, dass man auch Jobs annehme, die weniger gut bezahlt oder weniger angenehm seien. Der Stress-Level sei selbst für diejenigen gestiegen, die objektiv gar nicht durch Arbeitslosigkeit gefährdet seien. Tatsächlich aber sei die Angst positiv zu sehen, denn sie verhindere, dass immer mehr Menschen in die Falle der Langzeitarbeitslosigkeit tappten, wird ein Vertreter des Instituts der Zukunft der Arbeit in Bonn von dem Medium zitiert. Aus der Angst der Arbeitnehmer Nutzen ziehen, ist keine soziale Errungenschaft, über die man sich freuen sollte.