Suche Menü
mobifair auf Facebook Suche
  • Dumping-Melder
  • 0800 2844444

Tatort Führerstand – es reicht!

Willkommen in der heilen Welt der Lokführerhändler, der gierigen Ausbildungsschulen und der dubiosen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Vielleicht auch willkommen in der heilen Welt des Eisenbahn-Bundesamtes, anderer Behörden und der Politik, die das Thema völlig ignoriert.

Es reicht. mobifair hat mit einer Strafanzeige die Staatsanwaltschaft Dresden aufgefordert Ermittlungen wegen Ausbeutung der Arbeitskraft einzuleiten. Nun heißt es mobifair gegen den Lokführer-Personaldienstleister Bahnpersonal24 GmbH & Co. KG aus Dresden. Klageführend durch unseren Rechtsanwalt Ansgar Dittmar mit seiner Kanzlei BERNZEN SONNTAG Rechtsanwälte.

Noch nie wurde in Deutschland eine Klage wegen der Ausbeutung von Lokführern eingereicht. mobifair tut dies, weil andere wegsehen. Weil es doch so wichtig ist, rund 450 Eisenbahnverkehrsunternehmen oder rund 120 Ausbildungsschulen für Lokführer, die das Geschäftsmodell der staatlichen Förderung für Langzeitarbeitslose ausnutzen und oftmals die Qualifikation aus den Augen verlieren, die Zulassung zu erteilen. Es scheint wichtig zu sein, rund 350 Personen oder Stellen für Prüfungen nach der Triebfahrzeugführerscheinverordnung anzuerkennen und auf die jährlich rund 560 Vorbeifahrten an haltzeigenden Signalen, nach unserer Auffassung, viel zu leichtsinnig zu reagieren. Wichtig ist sicher auch das ständige Gejammer der Wettbewerber um Trassenpreise und den Vorrang im Fahrplan. Da bleibt natürlich wenig Zeit für den sozialen Arbeitsschutz, für tarifgeschützte Beschäftigungsbedingungen und für den Schutz eines qualitativ hochwertigen Berufsbildes des Lokführers durch die duale Ausbildung. Außerdem bleibt keine Zeit für Kontrollen. Das System bröckelt und Zugfahrten werden gefährlich.

So haben alle Missstände ihren geduldeten Freiraum. Keiner sieht hin und keinen interessiert es. mobifair sieht hin und sagt klar und deutlich, wer hier die Augen verschließt ist mitschuldig, dass Menschen im Bahnmarkt unwürdig und ausbeuterisch behandelt werden. Der trägt vor allem Mitschuld, wenn aufgrund mangelnder Qualifikation und Überbelastung ein Zug entgleist. Eine „gelbe Karte“ reicht nicht. Unternehmen, die ihr Personal nicht gut behandeln und es nicht respektieren, sondern es ausbeuten und bedrohen, müssen in der Branche ihren Platz verlieren. 

In der Strafanzeige geht es um mehrere gut qualifizierte Lokführer, die aus Osteuropa – in den Klagefällen aus Russland und der Ukraine (Anmerkung der Red.: vor dem Krieg) – stammen. So ist insbesondere davon auszugehen, dass die Lokführer unter Ausnutzung ihrer persönlichen oder wirtschaftlichen Zwangslage oder ihrer Hilflosigkeit, die mit dem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, ausgebeutet wurden. Sie wurden von einem Personalanwerber nach Deutschland gelockt, dort an einen Personaldienstleister weitergereicht, mit einem Knebelvertrag ausgestattet und zu einem „Fortbildungsvertrag“ für eine Anpassungsweiterbildung, mit dem Ziel sie in eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen, gedrängt. Später hat man sie regel- und gesetzeswidrig eingesetzt und nicht branchenüblich als Lokführer entlohnt. Das ist die Kurzfassung unserer Recherchen und Ermittlungen.  Jetzt muss es heißen: Im Namen des Volkes …

Wir berichten ausführlich in unserer nächsten Ausgabe der mopinio im August.