„Sozialstandards und Verkehrssicherheit sollten in den Vergaberichtlinien für den Schulbusverkehr enthalten sein“, erklärte Tobias Lipser, Projektleiter von mobifair, nach einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Auto Club Europa (ACE) Niederrhein im Schulbusbereich.
An der Erich Kästner-Förderschule (EKS) für Sprache , Hören und Kommunikation für die Kreise Wesel, Kleve und Teile Borkens wurden insgesamt sieben Stichproben zur Bussituation durchgeführt. „Besonders interessant ist dies, da die Busse und Taxen aus einem sehr großen Einzugsbereich kommen“, erläutert der 1. Vorsitzende des ACE Niederrhein, Walter Stark. Neben einer Sicht-Stichprobe bei Ankunft und Abfahrt der Busse wurde eine Umfrage bei Eltern und Kindern durchgeführt. Das Fazit der Tester fällt ernüchternd aus: Nur jeder zweite Bus oder jedes zweite Taxi waren ohne Beanstandungen.
Die Hauptkritik richtet sich dabei auf das Fehlen von Rückhaltesystemen oder Kindersitzen. Stark: „Zwar sind diese bei den großen Bussen nicht Vorschrift, könnten aber nicht nur der Verkehrssicherheit dienen.“ Rückhaltesysteme, so Tobias Lipser, würden auch dem Busfahrer helfen, der oftmals gestresst vom Lärm zusätzlich auf die umherlaufenden Kinder eingehen müsse. Grundlegende Verstöße gegen geltendes Recht fanden die Tester in Form von nicht als Schulbusse gekennzeichneten Fahrzeugen. Stark: „Hier wird die Sicherheit der Schüler extrem aufs Spielgesetzt.“
Daneben haben mobifair und ACE aber auch auf Dinge geschaut die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Dabei war erfreulich, dass das vom Bundesverkehrsminister favorisierte Tagfahrlicht auch bei den Schulbussen zum Teil Einzug gehalten hat. Engagierte Busfahrerinnen überraschten die Tester mit einem vorbildlichen Gesamteindruck. „Ob bei der Öffnung der Türen, dem Herausstellen der Schulranzen oder dem Begleiten der Kinder stand hier die Sicherheit im Mittelpunkt“, lobt der Auto-Club-Chef solches Verhalten. „So vielfältig das Einzugsgebiet der Schüler so vielfältig ist die Bussituation an der Erich Kästner-Schule“, zeigt sich Stark von den Stichproben überrascht. Von alten Bussen bis zu neuen Taxen, von fehlenden Kindersitzen bis zu optimaler Betreuung oder von Gleichgültigkeit bis Engagement reicht die Bandbreite bei den Beförderungen der Schüler.
Negativ zu Buche schlug noch der Transport von Schülern im Kofferraum eines Kombis. Stark: „Leider ist dies erlaubt.“ Dennoch, und darin waren sich Stark und Lipser einig, könnten solche Transporte durch neue Vergaberichtlinien des Kreises verhindert werden. In einem ersten Gespräch mit der Schulleitung und Vertretern der Eltern zeigte sich auch Landrat Ansgar Müller offen für solche Vorschläge und will mit dem ACE und mobifair im Gespräch bleiben.
Zusammen mit den Eltern und der Schule wollen ACE Niederrhein und mobifair die Schulbussituation verbessern. Dabei deuten wir nicht mit dem Zeigefinger auf einzelne Unternehmen sondern wollen in intensivem Dialog mit den Beteiligten die Situation analysieren und langfristig verbessern“, sagt mobifair-Projektleiter Lipser. „Allgemein ist die Bussituation nicht schlechter als anderswo, aber wir können sie besser und damit für die Kinder sicherer machen“, erklärte ACE-Bereichsleiter Rheinland Stefan Rakowski und kündigte offene Gespräche mit allen Beteiligten an.






