Sie sind der Anlass für ungezählte Autofahrerflüche, Grund für kilometerlange Staus und Ursache schwerster Karambolagen: die schweren Laster im Güterfernverkehr auf Europas Straßen. Wir stellen hier ein lesenswertes Buch zu diesem Thema vor.
Alle schimpfen über die Blockierer auf der rechten Autobahnspur, aber kaum jemand kennt die Hintergründe dieser Branche, die in Deutschland mehr als 800.000 Menschen beschäftigt, davon rund 350.000 hinter dem Steuer. Und sie wird unkontrolliert weiter wachsen, denn sie passt in das spätkapitalistische Wirtschaftgefüge.
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Ein spannendes Buch mit erschreckenden
Detail-Schilderungen von kriminellen
Machenschaften
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Das Transportgewerbe ist ein brutaler Markt, mit skandalösen Arbeitsbedingungen für die Fahrer. Sozialdumping, Betrug, Urkundenfälschung, illegale Beschäftigung, Steuerhinterziehung und Korruption gehören zum Alltag in diesem Wirtschaftszweig, ohne dessen Funktionsfähigkeit die moderne Industriegesellschaft sofort zusammenbrechen würde. Gekämpft wird auch untereinander mit extrem harten Bandagen. Seit der Öffnung der Ostgrenzen tobt ein ruinöser Verdrängungswettbewerb, das Lohngefälle zwischen Ost und West bestimmt die gewaltigen Unterschiede bei den Transportkosten in Europa.
Moderne Sklavenhaltung - Illegale Fahrzeuglenker
Die Wirtschaftsjournalisten Uli Röhm und Wilfried Voigt liefern in ihrem Buch „Tatort Autobahn“ Hintergründe und geben Einblick in eine Branche, die sich ihre eigenen Gesetze geschaffen hat. „Tatort Autobahn“ schildert die Machenschaften skrupelloser Spediteure, die ihre Fahrer als moderne Sklaven halten. Ein Großteil der Trucker aus Mittel- und Osteuropa sitzt illegal hinter dem Lenkrad. Sie beschreiben, wie die Betrüger in Osteuropa Fahrer anwerben und wie sie mit der Gründung von Briefkastenfirmen den deutschen Fiskus um Hunderte von Millionen Euro schädigen.
Korrupte Beamte - Gefälschte Papiere
Das alles wäre nicht möglich ohne die Hilfe korrupter Beamter. Dabei nennen sie Namen von Personen und Firmen, wie zum Beispiel Rolf Kreienhop, Vizepräsident des Bundesamtes für Güterverkehr, der Behörde, die für die Überwachung der Speditionsbranche und die Kontrolle der Lastwagen auf Deutschlands Straßen zuständig ist. Für ein Luxusauto und diverse Reisen soll er der Reutlinger Firma Willi Betz, eine der größten Speditionen in Europa, Dienstgeheimnisse über Kontrollen verraten und in Bußgeldverfahren zugunsten des Unternehmers eingegriffen haben. Gegen Betz läuft ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart unter anderem wegen des Verdachts der massenhaften illegalen Beschäftigung, Steuerhinterziehung, Betrug und Bestechung. Noch üppiger geschmiert als der deutsche Behördenchef wurden hochrangige Beamte in Georgien und in Aserbaidschan. Unter anderem zahlte die Spedition für gefälschte Transportgenehmigungen laut Ermittlungsbehörde – so wird in dem Buch berichtet – rund vier Millionen Euro.
Ein spannendes Buch mit erschreckenden Detail-Schilderungen von kriminellen Machenschaften, die sich auf unseren Straßen abspielen und die die gesamte Transportbranche in eine bedrohliche Schieflage bringen. Wer in Europa mit Gütertransport zu tun hat, sollte sich diese Lektüre nicht entgehen lassen.
„Tatort Autobahn“ ist erschienen im Campus-Verlag, 220 Seiten, 19,90 Euro (EU-Ausl. 20,50 Euro, Schweiz: 34,90 SFR), ISBN 3-593-37316-5






