mobifair liegt ein Schreiben vor, in dem ein junger Mann, nennen wir ihn Philipp K., von seinen negativen Erfahrungen im Speditionsgewerbe berichtet. Er hatte in der Nähe von Bremen in einem Speditionsunternehmen, als Lkw-Fahrer angeheuert, um die drei Monate zwischen dem Abschluss seines Hochschulstudiums und dem Berufseinstieg zu überbrücken. Seinen Lkw-Führerschein hatte er während seiner Bundeswehrzeit erworben.
Er schreibt: „Nach sieben Werktagen habe ich meinem Ärger gegenüber dem Geschäftsführer Luft gemacht. Meine Schichtzeiten betrugen abgesehen von einem Tag, den ich wartend in Mannheim verbracht habe, 14 Stunden im Schnitt. Gegessen habe ich, wenn überhaupt, nur während der Fahrt. Am Wochenende musste ich einen ADR-Kurs besuchen, den ich auch selbst bezahlt habe. Eine Einweisung hat praktisch nicht stattgefunden.“
Auch das Betriebsklima in dem Speditionsunternehmen scheint äußerst angespannt gewesen zu sein. Philipp K. schildert in seinem Brief den rauen Umgangston so: „Der Disponent war offenbar überfordert, cholerisch, ständig auf 180, Kommunikation mit den Mitarbeitern fand meist nur im Brüll-Ton statt. Darum wurde viel aneinander vorbeigeredet. Alles was schief ging, wurde allein den Fahrern angelastet, und damit wurden dann die langen Schichtzeiten gerechtfertigt. Gespräche mit Kollegen haben schließlich meinen Eindruck bestätigt.“
In seinen Schilderungen heißt es weiter: „Man mag vielleicht denken, dass jemand, der in aller Ruhe sechs Jahre studiert hat, einfach nicht klarkommt in der rauen Berufswelt. Ich habe aber stets nebenher gearbeitet und zwar in einem Umschlagslager. Ich kannte daher auch die Branche aus Gesprächen mit Fahrern und habe mit einer harten Zeit gerechnet. Was ich aber dann erlebt habe, hat die schlimmsten Befürchtungen weit übertroffen. Der Lohn betrug 1.600,- Euro brutto plus acht Euro Nachtzuschlag plus einen Euro pro Stunde. Nach meinem Gespräch mit dem Geschäftsführer sprach dieser die Kündigung mit sofortiger Wirkung aus. Ich wies ihn darauf hin, dass die Kündigungsfrist während der Probezeit zwei Wochen beträgt und verlangte eine hälftige Kostenbeteiligung am ADR-Schein. Darauf ist er eingegangen, nachdem ich gedroht hatte, bis zum fristgemäßen Ende des Arbeitsverhältnisses Dienst nach Vorschrift zu machen oder mich krank schreiben zu lassen. Wir haben das Arbeitsverhältnis dann einvernehmlich mit sofortiger Wirkung gekündigt.“
Die von dem jungen Mann geschilderten Zustände sind im Speditionsgewerbe leider kein Einzelfall. Vielmehr ist es in vielen Unternehmen üblich, durch Arbeitszeitüberschreitungen und Missachtung von Sozial- und Sicherheitsvorschriften den Profit zu maximieren.
In seinem Schreiben fragt Philipp K. abschließend: „Gibt es eigentlich schwarze Listen über derartige Ausbeuterbetriebe?“
Unsere Antwort: „mobifair arbeitet daran.“






