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Psychische Belastung am Arbeitsplatz II

(Laufzeit bis 30.09.2011) verlängert

Hintergrund und Bedarfsanalyse

Im ersten Teil des Projekts (der Vorstudie), wurde deutlich, dass es in der Praxis den Bedarf an einem niedrigschwelligen Angebot zur Ermittlung von psychischen Belastungen gibt. Als Grundlage dafür kann die vom VDV vorgelegte Checkliste mit den im Bericht aufgezeigten Überarbeitungen dienen. Vor allem bedarf es einer Ergänzung zur Auswertung der erhobenen Daten und zum weiteren Umgang mit den so gewonnenen Erkenntnissen. Unter der Voraussetzung, dass dies geschieht, wird der Projektantrag mit angepassten Projektinhalten als Fortsetzung vorgelegt.
Inhaltlich bleiben die bereits zur Vorstudie dargelegten Hintergründe aktuell:
Der Einsatz hochentwickelter Technik, neue Technologien, eine verstärkte Arbeitsteiligkeit, Rationalisierung und Flexibilisierung betrieblicher Prozesse sowie massiver Zeitdruck, prägen den Arbeitsalltag vieler Menschen und stellen immer höhere Anforderungen an die Bewältigung von Arbeitsaufgaben. Dieser Strukturwandel in der Arbeitsorganisation und Arbeitswelt hat auch die Anforderungen an die Mitarbeiter geändert und psychische Belastungen gleichberechtigt neben physischen Belastungen treten lassen. Erkenntnisse aus der Forschung belegen diese deutliche Zunahme an psychischen Belastungen (z.B. Wilkening, 1998). Aber auch außerberufliche Einflüsse, wie Doppelbelastungen durch den Anspruch Familie und Beruf vereinbaren zu wollen bzw. zu müssen sowie gesellschaftliche Phänomene, die sich belastend auf die psychische Leistungsfähigkeit auswirken, sind verstärkt zu verzeichnen. Als Folge davon sind negative Auswirkungen auf die erfolgreiche Bewältigung von Arbeitsaufgaben, auf die Arbeitssicherheit sowie auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Beschäftigten zu beobachten.
Der Stellenwert psychischer Belastungen und psychischer Prozesse spielt in der neueren Gesundheitsforschung eine immer wichtigere Rolle. Bis zur Mitte des Jahrhunderts herrschte noch ausschließlich ein medizinisch orientierter Gesundheitsbegriff vor, der Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit definiert. Demgegenüber erwähnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1946 in ihrer berühmten Definition von Gesundheit auch die seelischen und sozialen Faktoren. Dort wird Gesundheit gefasst als
„ein Zustand des vollkommenen körperlichen, sozialen und geistigen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheiten und Gebrechen".
Seitdem wurde der Gesundheitsbegriff immer wieder erweitert und über das Wohlbefinden hinaus werden auch Fähigkeiten zur Problemlösung und zum Aufbau sozialer Beziehungen subsumiert. Gesundheit umfasst nach modernem Verständnis also nicht nur physische Aspekte, sondern schließt psychische Prozesse mit ein. Bei dem Bemühen, Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu fördern, verlangt der Gesetzgeber daher - z.B. im Arbeitsschutzgesetz und in der Bildschirmverordnung - von betrieblichen Entscheidungsträgern, auch psychische Belastungen zu ermitteln, zu beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen abzuleiten. So sollen mögliche Gefährdungen der physischen und psychischen Gesundheit vermieden werden.

Ziel

Weil die Checkliste bei allen befragten Personen positiv aufgenommen wurde, und andere erprobte Systeme (aus verschiedenen Gründen) bisher nicht umgesetzt wurden, erscheint es sinnvoll, weitere Schritte hin zur Einführung der VDV-Handlungshilfe im DB-Konzern zu unternehmen. Ziele des zweiten Teils des Projektes sind:

Anpassen des Fragebogens
Die im Projektbericht aufgeforderten Änderungen sollten durch den Verfasser in die Handlungshilfe eingearbeitet werden. Sinnvoll erschein hier ein eintägiger Workshop unter Beteiligung des VDV, der dbgs, mobifairs sowie weiterer Arbeitswissenschaftler.

Daran anschließend folgt ein weiterer Pre-Test der Handlungshilfe mit wenigen Betriebsräten sowie Führungskräften, um sicherzustellen, dass die Änderungen in der Praxis die gewünschten Effekte entfalten.
Die Checkliste soll ein Screening-Instrument der Präzisionsstufe 2 nach ISO 10075-3 werden und mehr bieten, als eine subjektive und orientierende Sicht.

Pilotbefragung / Praxistest
In einem ausgewählten Betriebsteil sollte die angepasste Handlungshilfe nunmehr voll umfänglich getestet werden. Dabei wird mit den zuständigen Beurteiler-Teams eine Einführungs- und Schulungseinheit durchgeführt, um Vorgehensweise und Ziele zu verdeutlichen, ggf. auftretende Fragen zu beantworten und einen einheitlichen Informationsstand zu gewährleisten. Während der sich anschließenden Arbeitsplatzbeurteilungen erfolgt eine Prozessbeobachtung, die weitere Erkenntnisse für Anwendbarkeit und Praxistauglichkeit der Handlungshilfe erheben soll. Unter Umständen müsste aufgrund der Erfahrungen des Testlaufes die VDV-Handlungshilfe erneut modifiziert werden.
Hierbei soll zum Vergleich die psychische Belastung der Arbeitsplätze ebenfalls mit einem bereits etablierten Instrument erfolgen, um die Stärken und Schwächen der Handlungshilfe vergleichend beurteilen zu können.
Als Pilot-Betrieb schlagen wir Arbeitsbereiche z.B. aus dem Vertrieb vor. Dort sind mannigfache Belastungsfaktoren bekannt. Eine Überprüfung der Praxistauglichkeit erscheint uns hier am effektivsten, weil diverse, grundsätzlich problematische Situationen erfasst werden können. Sollte es Bereiche geben, die bereits über eine entsprechende Gefährdungsanalyse bzgl. der psychischen Belastungen verfügen, bieten sich diese Teile ebenfalls an, weil ein Vergleich mit den vorliegenden Ergebnissen möglich ist.

Workshop
Zum Austausch der Erfahrungen mit der Handlungshilfe und einem erweiterten Praktikerfeedback nach einem umfassenden Test, soll mit den Beteiligten des Praxistests und externen Experten ein Workshop zum weiteren Einsatz der Handlungshilfe erfolgen. Termine für die Workshops könnten pro Region jeweils an verschiedenen Orten angeboten oder zentral durchgeführt werden. Die Durchführung dieser Workshops könnte mobifair e. V. in Zusammenarbeit mit Arbeitswissenschaftlern übernehmen.

Begleitung während der Einführungsphase
Wenn es aufgrund der im Praxistest gemachten Erfahrungen zu einem breiten Einsatz im Konzern kommt, wird während der ersten Zeit der Einführung bei Bedarf praktische Unterstützung vor Ort angeboten. Darüber hinaus wurde von den befragten Praxis-Experten angeregt, einen externen (telefonischen) Ansprechpartner auch längerfristig zu benennen, um sich nötigenfalls unabhängige Beratung zu sichern. Die Vorbereitungen für diese langfristige Sicherstellung eines geschulten Ansprechpartners soll im Rahmen dieses Projektes erfolgen.
Dadurch ergibt sich anschließend die Möglichkeit zum breiten Einsatz der Handlungshilfe in allen Verkehrsunternehmen.