Im Busbereich in Südhessen bereits Fuß gefasst, suchen die Manager von First Group jetzt Eisenbahnunternehmen, um sich in Deutschland ausbreiten zu können. Erstes Objekt der Begierde: Die Hessische Landesbahn (HLB) sowie Anteile von der Hamburger Hochbahn. mobifair appelliert an die Politik, hier wachsam zu sein und nicht den Verlockungen des großen Geldes zu erliegen, sondern ihrer sozialen Verantwortung für die Bürger und die Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen gerecht zu werden.
Die Hintergründe:
Die First Group ist das größte Transportunternehmen Großbritanniens, mit täglich fast 3 Millionen Busreisenden und Einnahmen von mehr als 3 Milliarden Pfund. Auch Zuglinien wie die First Great Western und der Transpennine Express gehören dazu. Das Unternehmen beschäftigt 74.000 Mitarbeiter in ganz Großbritannien und Nordamerika, wo es auch eine Flotte von mehr als 21.000 gelben Schulbussen betreibt.
First Group gehört zu den bedeutendsten Verkehrsunternehmen des Landes und betreibt mehr als ein Fünftel des Busverkehrs in Großbritannien. Darüber hinaus betreibt First sechs verschiedene Bahnunternehmen: First Great Western, First Capital Connect, First ScotRail Hull Trains, GB Railfreight (nur Güterverkehr) und Tramlink (Straßenbahn in London).
Gemeinsam mit der französischen Keolis-Gruppe betreibt First Group außerdem das Bahnunternehmen First TransPennine Express, das Intercity-Verbindungen in Mittelengland anbietet.
In Nordamerika ist die First unter dem Namen First Group America tätig. Diese Tochtergesellschaft mit Hauptsitz Cincinnati besitzt drei Abteilungen: First Transit ist für den öffentlichen Busverkehr in über 50 Städten zuständig (darunter in Denver, Houston und Los Angeles), während First Student der größte Betreiber von Schulbussen in den USA und in Kanada ist. First Vehicle Services führt Wartungsarbeiten für die eigene Busflotte und für externe Kunden (meist Gemeindeverwaltungen) aus.
Das Unternehmen wurde im Juni 1995 unter dem Namen FirstBus gegründet und entstand aus der Fusion der Busgesellschaften Badgerline und Grampian Regional Transport. 1998 erfolgte die Umbenennung das Unternehmens in First Group, als es nach der Privatisierung von British Rail im Eisenbahnpersonenverkehr tätig wurde.
Blick hinter die Kulissen:
Nachfolgend die Erkenntnisse aus einer Konferenz der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) in London die speziell zu den Vorkommnissen bei First Group stattfand. Die Beschäftigten unterschiedlicher First Group – Betriebe aus den USA, Großbritannien und Irland nahmen daran teil und berichteten über haarsträubende Vorgehensweisen ihres Managements. Bei den Berichten wurde deutlich:
Auf rüde Geschäftsmethoden und einen rücksichtslosen Umgang mit den Mitarbeitern gründet sich der Erfolg dieses Verkehrsunternehmens. Die unfähigen Politiker und geldgierigen Genehmigungsinstanzen haben ebenfalls ihren Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet.
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| Auch vectus ist ein Tochterunternehmen der Hessischen Landesbahn (HLB). Gemeinsam mit der Westerwaldbahn gründete die HLB dieses Unternehmen speziell für das Westerwald-Taunus-Netz. Auftraggeber für diese Leistungen und damit verantwortlich für das Fahrplanangebot sind der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). |
First Group in den USA:
Insbesondere die Beschäftigten aus den USA berichten über ein katastrophales Verhalten gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren Interessenvertretung. Mit so genannten Informationsbriefen und DVD‘s versucht die Geschäftsführung in Nordamerika die „Gewerkschaftswahlen“ zu unterlaufen. (Die Gewerkschaften müssen ein Votum von 30% der Beschäftigten erhalten oder einen Organisationsgrad von 30% erreichen um als Verhandlungspartner anerkannt zu werden.) Die Beschäftigten werden massiv unter Druck gesetzt, keiner Gewerkschaft beizutreten und bei den Wahlen gegen die Gewerkschaften zu stimmen. Die Löhne und Arbeitsbedingungen bei First Group sind branchenweit die schlechtesten.
Die Transportleistungen im Bereich der Schülerbeförderung sind durch veraltetes Fahrzeugmaterial, schlechte Wartung, mangelhafte Sicherheit sowie inkompetente Einsatz- und Personalplanung so schlecht, dass sich viele Schulen und Eltern mittlerweile gegen die Serviceleistungen von First Group aussprechen.
First Group in Irland und Großbritannien:
Auch in Irland hat es zahlreiche Konflikte zwischen den Gewerkschaften und First Group gegeben. Insbesondere in Irland wurden die Beschäftigungsbedingungen durch Rationalisierung und Outsourcing verschlechtert.
In Großbritannien gibt es inzwischen eine Fahrgastinitiative um auf die dramatischen Missstände aufmerksam zu machen. Da es in Großbritannien kaum Regelungen zur Qualität und Quantität der Leistungserbringung gibt, boten sich First Group zahlreiche Möglichkeiten zu Kostenminimierung. Zuglängen wurden gekürzt, Fahrpläne ausgedünnt und monitäre Vergünstigungen für bestimmte Fahrgastgruppen gestrichen.
Verschlechterungen in allen Bereichen:
Die Geschäftspolitik von First Group als börsendotiertes Aktienunternehmen ist ausschließlich auf die Erwirtschaftung guter Renditen ausgelegt. Um dies zu erreichen, werden die übernommenen Unternehmen konsequent hierauf zurechtgestutzt. Das bedeutet das Outsourcen von Tätigkeiten im Bereich der Instandhaltung, höhere Belastungen für das Rollmaterial durch die Verlängerung von Wartungs- und Reparaturfristen sowie Verschlechterungen bei den Beschäftigungsbedingungen.
Aus zahlreichen Presseberichten in Großbritannien geht hervor, dass First Group ein verstärktes Interesse hat, den Markteintritt in „Kontinental-Europa“ zu forcieren. Hierfür sollen Gelder in Milliardenhöhe zur Verfügung stehen.
First Group in den Niederlanden gescheitert:
Das staatseigene Busunternehmen Connexxion (eines der drei größten nationalen Busunternehmen) wurde im Rahmen einer Ausschreibung veräußert. First Group legte hierzu zwar ein Kaufangebot vor, scheiterte jedoch knapp. Die französische Transdev erhielt hier den Zuschlag.
First Group in Dänemark und Schweden:
Ende September dieses Jahres genehmigte die EU-Kommission das geplante Gemeinschaftsunternehmen von Dänischer Staatsbahn (DSB) und First Group für den Betrieb des Schienenverkehrs über die Öresundbrücke, die Dänemark und Schweden verbindet.
Das neue Gemeinschaftsunternehmen firmiert unter dem Namen ÖRESUNDSTÅG ApS.
Es wird als Holdinggesellschaft für die beiden Betreibergesellschaften Kystbanen A/S und Öresundstrafiken AB fungieren, die jeweils für den Schienen-Personenverkehr in Dänemark von Helsingør bis zum dänischen Teil der Öresundbrücke bzw. vom schwedischen Teil der Brücke bis zum Malmöer Hauptbahnhof zuständig sein werden. Von Malmö aus sollen sie die folgenden drei Strecken betreiben:
1. Lund – Landskrona – Helsingborg – Grenze des Bezirks Halland,
2. Lund – Hässleholm – Grenze des Bezirks Kronoberg und
3. Lund – Hässleholm – Kristiansstad – Grenze des Bezirks Blekinge.
Der DSB und First Group ist es damit gelungen die Mitbewerber Deutsche Bahn, die Schwedischen Staatsbahnen und das Unternehmen Arriva aus dem Rennen zu werfen. ÖRESUNDSTÅG ApS wird den Verkehr auf den oben genannten Strecken von 2009 bis 2015 betreiben.
First Group sucht jetzt Bahnen in Deutschland:
First Group legte für die zum anteilgen Verkauf stehende Hamburger Hochbahn – Tochter Benex und für den Verkauf der Hessischen Landesbahn jeweils ein Angebot vor. Der Verkauf der HLB ist allerdings derzeit aufgrund der Landtagswahlen in Hessen gestoppt worden.
Die Benex-Beteiligung (49%) wurde mittlerweile an den australischen Investor Babcock & Brown verkauft.
Inzwischen wurde bekannt, dass die First Group auch gegenüber kleineren Eisenbahn-Verkehrsunternehmen bundesweit ihr Kaufinteresse bekundet.
Einstieg in den deutschen Bus-Verkehrsmarkt vollzogen
Im Busbereich wurde der Einstieg in Hessen bereits vollzogen
First hat am 1. Mai 2007 den Speyerer Privatomnibusbetrieb Arthur Merl GmbH & Co. KG übernommen, um „Erfahrungen in Deutschland zu sammeln“. Geschäftsführer des Unternehmens bleibt Arthur Merl. Mit übernommen wurden auch die Tochtergesellschaften Merls, die Fröhlich Reisen GmbH in Lorsch, die schwerpunktmäßig im Schulbusverkehr aktiv ist und nach der Insolvenz des Ludwigshafener Omnibusbetriebs H. Fröhlich KG von Merl gegründet wurde, und die Clarissa Schultz KG aus Herxheim bei Landau/Pfalz, die hauptsächlich Kleinbusse betreibt und die im Zuge des First Group-Kaufs in Merl integriert wurde.
Außerdem ist Merl zu 25% an der im Jahr 2000 gegründeten Nahverkehrs-Service GmbH (NVS) in Bensheim beteiligt, einem Zusammenschluss mehrerer regionaler Busunternehmen in Südhessen und angrenzenden Regionen, an der auch die HEAG mobilo GmbH aus Darmstadt, die RNV-Tochter Omnibusbetriebe Beth GmbH in Lampertheim und die Abellio-Tochter Werner GmbH & Co. KG in Bensheim beteiligt sind.






